Gentoo vs Arch Linux

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roothausen

Gentoo vs Arch Linux

23:18

Thursday, April 10. 2008

Nach Fedora und Slackware habe ich eine relativ lange Zeit Arch Linux auf dem Notebook genutzt. Mittlerweile ist auf dem Desktop Gentoo als weitere Distribution dazu gekommen.Nun bin ich auf die Idee gekommen, diese beiden Distributionen zu vergleichen. Allerdings muss ich anmerken, dass dies ein rein subjektiver Vergleich ist und ich hier keinerlei Flamewars ausloesen will. Die genannten Vor- und Nachteile beziehen sich rein auf meine Vorstellungen von einem guten System und sollten daher nicht missverstanden werden.

Installation:

Gentoo laesst sich sowohl aus einer bestehenden Installation heraus als auch von einer Live-CD installieren. Es gibt auf der letzteren auch einen grafischen und einen textbasierten Installer. Allerdings hat keiner der beiden bei mir zufriedenstellend funktioniert. Daher habe ich mich fuer die manuelle Installation entschieden.

Dank des sehr ausfuerlichen Gentoo-Handbuchs hat dies aber kein Problem dargestellt. Den einen oder anderen Kniff lernt man auch dabei und man ist wirklich flexibel in seiner Konfiguration. Allerdings gibt es die eine oder andere Huerde wie z.B. wenn das Root-Device auf einem LVM liegt und die Initrd per default keine LVM-Unterstuetzung mitbringt.

Fuer Einsteiger halte ich die Installation nur bedingt empfehlenswert, da sie eben nicht wirklich intuitiv zu handhaben ist. Als Installationsmedium kam bei mir die Gentoo-Live-DVD zum Einsatz, ich habe spaeter aber fast alle Pakete aus dem Netz geladen. Somit brachte der groessere Umfang der DVD keinen Vorteil.

Fuer die Netzanbindung, sorgte ein Notebook, dass ich per Crossover-Kabel mit dem PC verbunden hatte. Es hat als kleiner Router gedient, da auf der DVD keine passenden Treiber fuer die WLAN-Karte vorhanden waren.

Die Installation braucht Zeit. Am besten man nimmt sich das Ganze an einem freien Tag oder einer schlaflosen Nacht vor. Ohne die noetige Routine dauert die Vorbereitung des Systems schon etwas. Das Kompilieren des kompletten Systems dauert, je nachdem was der Rechenknecht unter der Haube hat und welchen Umfang die installierte Software hat, zwischen ein paar Stunden und mehreren Tagen. Dies ist mir definitiv zu lange. So lange das System laeuft, gibt es kein Problem, aber wenn mir mal die Platte abrauchen sollte, waere ich schwer am ueberlegen, ob es wieder Gentoo sein muss. Aus Platzgruenden sichere ich naemlich nur Nutzdaten und nicht das komplette System. Auf jeden Fall wuerde ich mir ein Script schreiben, das mir die Konfiguration automatisiert und eine unbeaufsichtigte Installation ermoeglicht.Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass ich ein komplett neues System mit Arch Linux aufsetzen wuerde.

Bei Arch Linux habe ich mich fuer eine FTP-Installation entschieden, da man nur mit dieser die Moeglichkeit hat ohne grosses Frickeln ein verschluesseltes Root-Device zu erstellen, das spaeter beim Booten auch korrekt funktioniert. Nach dem Download der Installations-CD, startet ein Textbasierter Installer, der einem die noetigste Arbeit abnimmt. Die CDs sind zwischen 12 und 530MB gross und sollten somit den wenigsten Probleme bereiten.

Der Installer ist aufgeraeumt, setzt aber vom User ebenfalls einige Kenntnisse voraus. So muss man seine Festplatten manuell auf der Shell partitionieren, seine Konfigurationsdateien mit einem Editor seiner Wahl editieren und z.B. fuer ein verschluesseltes Root-Device die Konfigurationsdatei, mit der spaeter die Initrd erstellt wird, abaendern.

Obwohl meine letzte Installation schon ein paar Monate zurueck liegt, ging das ganze schnell von der Hand. In knapp 20min hatte ich das Basis-System installiert. Ich habe mir dann nach ein paar Tagen aus Unachtsamkeit die Partiionstabelle kaputt gemacht. Beim 2. Anlauf war die Konfiguration in 10min durch. Dazu muss man sagen, dass ich nur ueber eine DSL-1000 Anbindung verfuege und ich die kompletten Pakete aus dem Netz gezogen habe. Mit mehr verfuegbarer Bandbreite, waere das ganze noch schneller gegangen.

Die Verwendung von LVM und dm-crypt haben hier fast keine Probleme verursacht. Es war notwendig Zeile in der /etc/mkinitcpio.conf zu aendern. Der Rest lief dann von alleine.

Nach der Installation des Basissystems habe ich dann nach und nach die benoetigte Software installiert. Diese haette ich auch schon bei der Installation auswaehlen koennen, aber ich finde es besser die Pakete schrittweise zu installieren, weil ich nebenher schon am laufenden System schrauben kann.

Alles in allem ist die Installation deutlich staerker automatisiert als bei Gentoo ohne Installer. Durch die Binaerpakete, die man nicht extra kompilieren muss, spart man auch jede Menge Zeit.

Ressourcenverbrauch:

Hier schneidet Gentoo relativ schlecht ab. Das laufende System verbraucht zwar nicht mehr CPU-Zeit oder Arbeitsspeicher als ein vergleichbares mit einer anderen Distribution aber die Quelltexte zum kompilieren brauchen einige Gigabyte an Festplattenplatz und das Kompilieren jedes einzelnen Pakets kostet massig Leistung. Es ist, zumindest mit einer Dualcore-CPU, moeglich nebenher auf dem System zu arbeiten aber so richtig Spass macht es doch nicht wenn bei jedem Update alle neuen Pakete lokal kompiliert werden muessen. Ich persoenlich merke auch keinen spuerbaren Performance-Zuwachs durch das lokale Kompilieren der Pakete. Somit waere der einzige Vorteil dieser Technik, dass man Pakete sehr viel genauer anpassen kann als bei anderen Distributionen.

Bei Arch verbraucht sowohl das System mit den sauber vorkonfigurierten Paketen als auch der Betrieb selbst nicht besonders viele Systemressourcen. Das System ist sowohl performant als auch schlank und ueberzeugt damit. Da Einfachheit und Schlankheit unter anderem Grundzuege der Philosophie des "Arch Way" sind, kann Arch hier definitiv punkten.

Paketmanagement:

Die imho wichtigste Eigenschaft einer guten Linuxdistribution ist ein gutes und durchdachtes Paketmanagement. Bei Gentoo ist dieses, wie schon gesagt, fast komplett Quellcode basiert. Das Paketmanagement nennt sich Portage. Zu jedem Paket wird der Quellcode geladen, lokal entpackt und kompiliert. Zusaetzlich kann man durch das System der USE-Flags die Pakete auf seine persoenlichen Beduerfnisse anpassen. Es ist so z.B. moeglich die KDE-Unterstuetzung bestimmter Software nicht mit zu kompilieren, wenn man ohnehin nur Gnome einsetzt. Das macht das System sehr anpassbar.

Das Angebot an Paketen ist riesig. Es gibt fast nichts was es nicht gibt und ausser dem offiziellen Paketen gibt es auch noch Overlays. Es ist Problemlos moeglich sogar Spiele wie z.B. Quake IV und Addons dazu ueber das Paketmanagement zu installieren und aktuell zu halten. Selbstverstaendlich benoetigt man fuer kommerzielle Spiele die orginal CDs/DVDs und einen original Key. Allerdings nimmt einem das Paketmangement z.B. das Kopieren von notwendigen Daten der Spiele-CD ab. Diese Funktionalitaet passt bestimmt einigen Leuten nicht, macht das System aber auch attraktiv fuer Menschen, die auch unter Linux spielen und nicht jedes Spiel manuell installieren und aktuell halten wollen.

Mit ein paar Kniffen laesst sich auch das Portage System beschleunigen, so dass es weniger negativ ins Gewicht faellt.

Arch besitzt, wie Gentoo mit dem Portage-System, ein eigenes Paketmangement und baut weder auf RPM noch auf APT auf. Das ganze nennt sich "pacman". Das kommt von "package manger" und nicht von dem Spiel.

Pacman arbeitet flott, ist gut konfigurierbar und die Pakete sind in gut vorkonfigurierter Form vorhanden. So lange es sich nicht um wenig bekannte oder Nischensoftware handelt, kann man davon ausgehen, dass ein Paket vorhanden ist. Bei Bedarf ist es zudem problemlos moeglich Pakete mittels ABS selbst zu bauen. ABS selbst ist wie Portage auch ein Paketsystem, das sich ebenfalls an den BSD-Ports orientiert. Und sollte es Pakete geben, die nicht im reichhaltigen Repository zur Verfuegung stehen, so bekommt man diese mit hoher Wahrscheinlichkeit im Arch User Repository.

Auch bei Arch ist die Liste der verfuegbaren Software lang. Allerdings nicht so lang wie bei Gentoo.

Die verfuegbare Software ist aber oft aktueller als bei Gentoo. Ich habe schon erlebt, dass bestimmte Software schon einen Tag nach dem Release als Paket verfuegbar war. Eigentlich wuerde ich behaupten, dass man die Pakete in so kurzer Zeit gar nicht vernuenftig testen kann, aber mir ist bisher nichts negatives in dieser Hinsicht aufgefallen.

Im Gegensatz zu einigen anderern Binaerdistributionen sind die kompletten Pakete auf die i686 Prozessorarchitektur opimiert und nutzen somit mehr Funktionen moderner Prozessoren als andere Distributionen.

Anmerkung

Dieser Artikel lag hier ueber ein Jahr als Entwurf im System und sollte eigentlich ausfuehrlicher werden. Allerdings habe ich wegen Hardwareproblemen meinen Desktop ein paar Monate nicht nutzen koennen und darauf hin Arch installiert. Da ich mich seit dem nicht mehr mit Gentoo beschaeftigt habe waere es unfair gewesen mich bei weiteren Vergleichen auf eine Gentoo-Installation zu beziehen, die schon ueber ein Jah zurueck liegt.

Mittlerweile nutze ich auf meinem Notebook und dem Desktop nur noch Arch Linux, auf dem Router OpenWRT und auf dem Server Debian. Momentan bin ich mit diesem Setup wunschlos gluecklich. Vielleicht werde ich eines Tages nochmal auf Gentoo zurueck kommen, aber das habe ich momentan nicht vor. Momentan wuerde ich eher FreeBSD statt Gentoo nutzen.

Heute bin ich nun zum Entschluss gekommen diesen Artikel mit ein paar Korrekturen abzuschicken und teils unfertig ins Blog zu entlassen, da ich wahrscheinlich nicht dazu kommen wuerde ihn in dem Umfang zu vollenden in dem er geplant war. Ich hoffe, dass der eine oder andere trotzdem damit etwas anfangen kann.

Anmerkung Nr. 2

Der Artikel wurde am 19.04.2009 nochmals ueberarbeitet. Es wurden keine inhaltlichen Aenderungen vorgenommen sondern hauptsaechlich die Formatierung ans neue CMS angepasst sowie Rechtschreibfehler entfernt und Formulierungen ueberarbeitet.

Posted by admin in computer | Comments (5) | Trackbacks (0)
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*Die Hardware-Unterstützung auf der Gentoo Live-CD ist momentan wirklich grottig... das liegt aber daran, dass sie schon so fürchterlich altbacken ist und seit langer, langer Zeit kein Update mehr bekommen hat.
Mittlerweile gibt es eine frühe 2008er-Live-CD, mit der bestimmt alles besser wird ;o)

#1 Dennis (Homepage) on 2008-04-11 07:27 (Reply)

*[...] Chance hat denn z.B BSD in der &gt; Oeffentlichen Verwaltung eingesetzt zu werden? Vermutlich gar keine. Kommt Zeit, kommt [...]

#2 Linux-Benutzung &raquo; Re: Immer nur Linux, Linux, Linux&#8230; - Der Staat als (Homepage) on 2008-04-18 12:01 (Reply)

*Arch ist wirklich toll. Man darf nur nie de Fehler machen, es zu vergessen ;-) Ich habs auf der Kinderkiste installiert, zusammen mit privoxy als Webwasher leistet es dort gute Dienste. Nur ist halt das Kinderzimmer im Obergeschoß, wo selten jemand hingeht, wenn die Kinder nicht da sind. Als ich das letzte mal ein Update machen wollte, schlug pacman mir einen Download von fast 800 mb vor.. Nach 2 jahren ist also eine Neuinstallation wohl der einfachere Weg ;-)

#3 actro (Homepage) on 2008-04-28 11:45 (Reply)

*Super, genau so einen Vergleich habe ich gesucht. Ich arbeite seit Ewigkeiten mit Gentoo und mag es unglaublich gerne, aber die Kompilierzeiten sind grässlich. Die fließende Versionierung ist genial und bei arch auch - sehr schön. Ich werde arch ausprobieren und schauen, wie sich das kleinere Software-Repository in der Praxis auswirkt.

#4 Sven on 2010-09-26 01:19 (Reply)

*Ciao,
Guter Artikel! Ich bin auch Archlinuxbenutzer und Gentoo will ich nicht, weil einerseits anstrengend ist, was zwar kein Problem wäre, anderseits hat höhere Bedürfnisse auf HW und das schon ein Problem ist. Die Kompilation nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich will nicht ganzes Wochenende kompilieren die Aktualisierung. Ohnehin ist Gentoo ein geniales System in der Linuxwelt, ich kritisiere nicht. Es geht um meinen eigenen Eindruck.
Archlinux ist bis jetzt die beste Lösung, die ich getroffen habe. Selbstwerstendlich für Desktop und für Server würde ich, wie auch du, Debian wählen.
Ich wünsche viel Erfolg mit dem Linux!

#5 Paolo Vigoroso on 2011-10-25 11:41 (Reply)

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